AZ-Bericht vom 14.06.2014
Rätselhafte Zahl "1664"

von Barbara Mümpfer

LESUNG Autorengruppe "Landschreiber" präsentiert amüsante, von der Ziffer inspirierte Geschichten

ROMMERSHEIM - "1664" steht eingebrannt auf einem Balken der "Kulturscheier" in Rommersheim. Der Eigentümer Dr. Uwe Carjell vermutet, dass es sich um das Baujahr des schmucken Gebäudes handelt.

"1664" könnte aber noch viele andere Bedeutungen haben. Die "Landschreiber", eine inzwischen wohlbekannte Gruppe rheinhessischer Schriftsteller, haben sich darüber Gedanken gemacht – und legten jetzt bei einer Lesung eigener Kurzgeschichten in der Scheier verblüffende Interpretationen dieser Zahlenreihe vor.

Von Zeitreise bis Wahlkampf

Bärbel Triebel trat als Erste vor das Publikum, wollte sich nicht festlegen und ließ die Frage, worum es sich handeln könnte, offen. Sollte es die Seitenzahl eines Bestsellers sein? Die Nummer eines Schweizer Bankfaches, in dem "stark pigmentiertes Zahlungsmittel im Tarnmodus", besser bekannt als "Schwarzgeld", liegt? Ihr Kollege Eberhard Gladrow nahm die Zuhörer zu einer Zeitreise mit, konnte 1664 in Rommersheim aber nur bereitgelegte Baumaterialien und keine Scheune entdecken.

Roswitha Wünsche-Heiden berichtete von einem schmutzigen Bürgermeister-Wahlkampf, bei dem die Auszählung der genau 1664 abgegebenen Stimmzettel ihre Tücken hatte. Uwe Jung wiederum, dessen Geschichten häufig von Menschen mit ganz besonderen Eigenschaften und Macken handeln, stellte einen jungen Mann mit Dyskalkulie vor. Arne kann sich keine Zahlen merken, aber seine clevere Angebetete findet mithilfe des Taschenrechners "TI 3O LCD" dennoch einen Weg, ihm ihre Telefonnummer 1664 zu übermitteln.

Ulla Grall und Gerdy Bormet waren sich einig: Es muss sich um eine Jahreszahl handeln. Während Grall eine zauberhafte Liebesgeschichte rund um den Bau der Scheier spann, nahm Bormet die Uraufführung von Molieres Komödie "Tartuffe" im Mai 1664 zum Anlass, über diesen Theaterskandal und seine Folgen zu berichten. Karin Kinast brachte die Zuhörer mit ihrem witzigen Text über zwei Freunde des Bieres "Kronenburg 1664" zum Lachen, die einer Kontaktanzeige folgen und feststellen müssen, dass es sich bei den zwei annoncierten "süßen Häschen" um etwas ganz anderes handelt, als vermutet...

Im zweiten Teil der Lesung waren die Autoren nicht mehr auf ein bestimmtes Thema festgelegt und gaben abwechslungsreiche Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen. Die reichte von rheinhessischen Limericks über eine wütend-witzige Abrechnung mit Gesundheits- und Tugendtyrannen bis hin zur fantasievollen Geschichte über eine Achtzigjährige, die fliegen konnte.

Den gelungenen Abschluss bildete ein Text von Uwe Jung, der angesichts der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien feststellte "Es wird wieder geflaggt". Seine hochaktuellen humorvollen Beobachtungen ließen das Publikum noch einmal herzhaft lachen, ehe es von Dr. Birgit Gladrow vom veranstaltenden Kulturkreis Wörrstadt in den lauen Sommerabend verabschiedet wurde.

              Rheinhessische Landschreiber